Retro's Band-Reviews

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Retro's Band-Reviews

Beitrag von Retro am Sa Dez 12, 2015 11:32 am

GANGSTAGRASS

Zwei Dinge fallen einem bei Gangstagrass sofort auf:
Extrem einfallslose, aber trotzdem irgendwie passende CD-Covers- und ihr eingängiger und ziemlich einzigartiger Stil.
Von 2010 bis 2015 haben Gangstagrass stolze vier CD's aufgenommen, welche allesamt hochwertig sind, und den Gangstagrass-typischen Stil bewahren.
Nicht übel, für diese relativ kurze Zeit- für einen größeren Bekanntheitsgrad hat es aber (zumindest bei uns in Deutschland) bisher nicht gereicht.









Hier werden Country/Squaredance/Bluegrass-Klänge mit Hip-Hop dargeboten- und das mit einem extrem hohen Ohrwurmfaktor.
Oft wechselnde Sänger und Sängerinnen sorgen für einiges an Abwechslung, hinter all dem steckt von Beginn an der Producer, Gitarrist und Sänger Rench,
welcher auch schon mit einer Emmy-Nominierung bedacht wurde.
Halbwegs bekannt wurden Gangstagrass mit dem Titellied zur TV-Serie Justified, "Long hard times to come".
Dummerweise ist aber genau dieses Lied so gut wie nicht aufzutreiben, da es bisher auf keiner CD veröffentlicht wurde.
Über amazon.com kann man aber immerhin an eine legale CD-R des "Justified" Soundtracks kommen, welcher natürlich auch diesen Song enthält.
Eine Neuaufnahme des Songs ist auf der 2015er CD "American Music" zu finden, passend zum Ende der Serie Justified im selben Jahr.
Leider ist die neue Version deutlich schwächer, irgendwie fehlt die "Power" der Originalaufnahme...

Wie auch immer: Wer Justified, und somit "Long hard times to come" kennt, und mit diesem etwas schrägen Musikstil etwas anfangen kann,
macht bei keiner der danach veröffentlichten CD's etwas falsch.


Zuletzt von Retro am So Jul 30, 2017 11:36 pm bearbeitet; insgesamt 5-mal bearbeitet
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Re: Retro's Band-Reviews

Beitrag von Retro am So Jul 30, 2017 4:43 pm

WEISSGLUT & SILBER

Eine Demo-CD, zwei darauf folgende geniale Alben, ein unrühmliches Ende, ein neuer Anfang, parallelen zu den Onkelz, Missverständnisse und das bittere Ende...



1997 wurde die 4-Track-Demo "IM STAUB DER REBELLION" aufgenommen.
Mit "Unter deiner Asche" sowie "Weiss glüht die Sonne" sind hier zwei Songs in ziemlich rohen Versionen enthalten,
welche ein Jahr später neu eingespielt, und deutlich überarbeitet, auf dem ersten Longplayer erscheinen.
Die beiden anderen Tracks ("Jeder Hund hat seinen Tag" und "Lichtbringer") sind nur auf dieser Demo erhältlich-
meiner Meinung nach aber auch nicht besonders gelungen.
Erst 2001, nachdem die Band halbwegs bekannt war, wurde diese Demo nachträglich ohne Wissen der Band auch "offiziell" veröffentlicht.
Die CD ist somit für Fans die mehr über "ihre" Band erfahren wollen nicht uninteressant, aber sonst eher nicht essentiell.



1998 kam die erste CD kurzzeitig unter dem schlichten Titel "WEISSGLUT" heraus,
ein paar Monate danach wurde die CD mit dem Bonustrack (und Titelgeber) "ETWAS KOMMT IN DEINE WELT" noch einmal veröffentlicht.

Mit dem Titeltrack "Etwas kommt in deine Welt", "Tief unter deiner Asche" und vor allem "Unschuldsengel" sind auch drei "Hits" dabei,
die in Rock & Metaldiscos rauf und runter laufen, auch der Rest der CD liegt klar im oberen Mittelfeld, "Lückenfüller" sind keine zu finden.
Im Vergleich zum Demo hat sich hier vor allem der Sänger deutlich verbessert, aber auch musikalisch hat man enorm zugelegt und eine gute Produktion erwischt.
Dummerweise wird parallel zum langsam anlaufenden Erfolg der Band auch das Privatleben des (sehr guten) Sängers Josef Maria Klumb immer bekannter,
der sich gerne in "rechten" Kreisen aufhält- und auch (allerdings wirklich NUR ausserhalb der Band) deren Gedankengut unter's Volk bringt.
Wie erwähnt: Die Band selbst hat NICHTS mit "rechtem" Gedankengut zu tun- innerhalb der Band nicht mal Klumb, die texte sind meines Erachtens definitiv unpolitisch.
Musikalisch und thematisch ist die CD recht düster gehalten, mit teils fast schon melancholischem Gesang-
wenn es eine Band gibt, welche die Bezeichnung "GothicMetal" verdient hat, sind das definitiv Weissglut.
Leider werden von Teilen der Presse immer wieder mal Textfetzen wie "Weiss glüht die Sonne" in ein "rechtes" Licht gerückt... ähnliches kennt man ja von den Böhsen Onkelz.

Eine Folge der immer härter werdenden Kritik, es handle sich bei Weissglut um eine rechte Band, und sogar einiger Auftrittsverbote dank dem Gehetze der Presse,
ist die Trennung von Sänger Josef Maria Klumb, der zwiespältig reagiert:
Einerseits zeigt er danach in Interviews Verständnis, andererseits fühlt er sich auch "verraten", da er sich im Bandgefüge nichts zu schulden kommen ließ-
ein Rauswurf zum Wohle des erhofften kommerziellen Erfolges also.



Im Jahr 2000 erscheint dann die zweite scheibe, "ZEICHEN".

Tom, der neue Sänger, ersetzt Klumb sehr gut. Stimmlich klingt er ähnlich, nur eine Spur aggressiver als der eher melancholisch singende Klumb.
Auch hier sind wieder ein paar echte Hits enthalten: "Tanz der Sinne", "Wie es niemals war", "Meine liebe ist rot" und "Wir haben nichts gemein" ragen heraus,
insgesamt gesehen ist wie schon beim Debüt KEIN einziger schwacher Song enthalten, auch hier dominieren wieder düstere Texte ohne jeglichen politischen Bezug.
Zum Glück ist aber auch kein Song der Marke "Böse Presse, alles Lügner" enthalten,
solches textliche Gejammer überließ man den Onkelz- welche damit immer wieder Erfolg hatten, was mich persönlich aber unglaublich genervt hat.

Leider ist die Macht verblendeter Hetzer in der Presse jedoch größer als gedacht-
so dass man neben hervorragenden Kritiken in der Musikpresse sonst überall entweder totgeschwiegen und boykottiert wird,
oder aber von Kommerz-Hetzblättern weiterhin als rechte band dargestellt wird...

Nach zwei hervorragenden CD's ohne jeglichen politischen Inhalt ist man jetzt also am Ende mit den Nerven-
und entschließt sich genau das zu tun, was man den Onkelz auch immer wieder nahelegte:
Ein Namenswechsel musste her. Wäre man da mal lieber stur geblieben...



2003 gab es ein neues Lebenszeichen unter dem namen "SILBER".

Schon am Cover-Artwork bemerkt man, dass man nicht mehr so düster wie zuvor daherkommen, und mit dem Namen wohl auch das alte Image ablegen will.
Ohne Keyboarder, dafür mit einem zweiten Gitarristen schaffen es Silber deutlich kommerzieller und weniger aggressiv und melancholisch zu klingen als zuvor.
Leider trifft das auch auf die Texte zu, welche beliebiger und Massenkompatibler geworden sind.
Das dargebotene ist trotzdem nicht schlecht, und man kann sich das selbstbetitelte "Debüt" von SILBER immer noch gut anhören-
aber an die beiden Vorgänger kommt man bei weitem nicht mehr heran.
Hier schleicht sich erstmals auch eine Coverversion ein, "Heut Nacht" ist nichts anderes als der NDW-Hit von Spliff. Kommerz, wir kommen.
Der Erfolg war für ein Debüt (welches es ja eigentlich nicht ist) respektabel, hielt sich aber im vergleich zu den beiden Vorgängern in Grenzen.



2006 kam dann "HIER UND JETZT" heraus, und schon das Cover war wieder deutlich ansprechender als beim Silber-Debüt...

Gleich nach dem einlegen der CD wird man durchaus positiv überrascht:
Die Gitarren knallen einem deutlich druckvoller entgegen als beim Vorgänger,
und schon der Opener "Niemand anders" zeugt vermeintlich von einem wiedererstarkten Kampfgeist der Band.
Einige Songs haben sogar einen leichten Drall in Richtung Weissglut, auf "Hier und jetzt" ist eine gelungene musikalische Mischung enthalten.
Härtere Songs wechseln sich mit kommerziellerem Gute-Laune-Rock, ruhigeren Ohrwürmern und eher düsteren Themen ab.
Nicht jeder Song ist ein Treffer- aber die zweite CD ist schon deutlich besser als der Vorgänger- und ganz klar ein Schritt in die richtige Richtung.
Leider blieb der Erfolg aus, und 2007 löste sich die Band auf.
Man kann da natürlich weitestgehend nur vermuten- aber die vielen Wechsel (Name, Musiker, Stil) dürften der Band deutlich geschadet haben.
Sehr schade um eine der zumindest Anfangs in meinen Augen (oder Ohren?) besten deutschsprachigen Bands, die ich mir jemals in mein CD-Regal stellen durfte...



Gerüchten zufolge hat Josef Maria Klumb wohl versucht, Weissglut mit neuen Musikern wiederzubeleben, und wirklich textlich in die rechte Ecke zu gehen.
Was sich aber nach nur einem Auftritt auf einer Demo schon wieder erledigt haben soll...

Desweiteren existiert seit 2004 eine Rammstein-Coverband namens Weissglut, welche aber natürlich nichts mit den oben genannten zu tun hat.
Diese Band kopiert ausschließlich Rammstein, und tritt nur Live auf.


Zuletzt von Retro am So Okt 15, 2017 10:45 pm bearbeitet; insgesamt 7-mal bearbeitet
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Re: Retro's Band-Reviews

Beitrag von Retro am So Jul 30, 2017 11:23 pm

PINK FLOYD

Das "Discovery" Box-Set mit allen 14 bis dahin veröffentlichten Studioreleases als "Remastered Recordings".



01. The Piper At The Gates Of Dawn
02. A Saucerful Of Secrets
03. Music From The Film "More"
04. Ummagumma
05. Atom Heart Mother
06. Meddle
07. Obscured By Clouds
08. The Dark Side Of The Moon
09. Wish You Were Here
10. Animals
11. The Wall
12. The Final Cut
13. A Momentary Lapse Of Reason
14. The Division Bell

Die Box selbst ist recht hochwertig, die darin enthaltenen CD's sind allerdings lediglich in Pappschuber-Hüllen untergebracht.
Zudem liegt ein 60-seitiges Booklet mit dem titel "Graphic Tales" exclusiv dieser Box bei.
Klanglich ist bei den CD's teils wirklich eine deutliche Verbesserung zu älteren Versionen zu hören, es gab hier ja schon diverse Releases mit unterschiedlichen Masterings.
Enthalten sind im übrigen keinerlei Bonustracks, lediglich die neu gemasterten ursprünglichen Veröffentlichungen.





Was "Piper at the gates of dawn" und "Saucerful of secrets" angeht,
muss man sagen dass man wohl ein wenig high sein sollte, wenn man die ersten beiden Scheiben wirklich "genießen" will.
Im nüchternen Zustand gelingt zumindest MIR das definitiv nicht. Beide Alben wollen sich mir absolut nicht erschließen- und ich habe es wirklich einige male versucht...



Erst die dritte CD, Music from the Film "More", enthält immerhin zumindest teilweise nachvollziehbare Songstrukturen, die auch einem "normalen" Publikum gefallen können.
Mit dem "Nile Song" findet man hier den wohl härtesten Song der Band, und mit "Cymbaline" eine schöne Ballade.



Die darauf folgende Veröffentlichung, "Ummagumma" ist zweigeteilt:
Eine teils nur schwer anhörbare Live-CD mit Songs der ersten beiden Alben, wie weiter oben erwähnt kann auch hier ein Joint wohl nicht schaden-
und eine Studio-CD... von der ich mich frage, was das soll. Musik ist da nicht wirklich drauf- bestenfalls Geräusche.



"Atom Heart Mother" startet mit dem beinahe 24-minütigen Titelsong teilweise recht schräg, ist aber insgesamt bei weitem nicht so anstrengend wie die älteren Veröffentlichungen.
Der dritte Song, "Summer '68" geht gut ins Ohr, wird von zwei Balladen umrahmt-
und mit dem fünften Song "Alan's psychedelic breakfast" gibt's dann schon das widerum etwas zu schräge Ende der CD.



Mit "Meddle" beginnt der Sound von Pink Floyd in die Richtung zu gehen, welche die Band danach zu ihren größten Erfolgen führte.
Schon der Opener "One of these days" schafft den perfekten Spagat aus eingängigkeit und psychedelic,
und leitet den Hörer in einen zwar größtenteils ruhigen, aber sehr Gitarrenlastigen Trip.
Mit "Seamus" ist nur einziger Ausfall zu hören, das abschließende, 24-minütige "Echoes" ist bis auf den etwas zu lang gezogenen psychedelischen Mittelteil ebenfalls absolut gelungen.



"Obcscured by clouds" nimmt dann, wie schon "More", wieder eine Sonderstellung ein, auch diese Veröffentlichung ist ein Soundtrack- diesmal zu "La Vallee".
Trotzdem ist der Stil ähnlich der vorherigen Scheibe, ein sehr gelungener Opener geht in eine recht abwechslungsreiche CD über,
die lediglich ein paar verzichtbare Instrumentalstücke beinhaltet. Im Film mögen diese Sinn machen, auf CD wirken sie eher unpassend.
Insgesamt aber eine empfehlenswerte CD, vor allem "Childhood's end" hat sich zu einem meiner Lieblingssongs der Band entwickelt.



Der bis dahin größte Erfolg der Band, "The dark side of the moon", startet vielversprechend, kann (mich) aber nach wie vor kein bisschen überzeugen.
Nach dem Intro folgt der gelungene Opener "Breathe", gefolgt von "On the run", einem extrem nervigen Instrumental, welches in "Time" übergeht,
was aber leider erst nach 2 Minuten nervigen Geräuschen zu einem Ohrwurm wird.
"The great gig in the sky" nervt dann mit belangloser Piano-Musik und nervigem Geschrei, und warum ausgerechnet das folgende "Money" zu einem der beliebtesten Songs der Band wurde,
entzieht sich mir komplett. Fand ich schon "damals" fürchterlich, kann ich mir auch heute noch nicht anhören.
"Us and them" langweilt nur, "Any colour you like" tut immerhin trotz Waber-Sound nicht weh, "Brain Damage" ist anhörbar-
und das abschließende "Eclipse" nervt wieder mit gejaule im Hintergrund.
Fürchterliche CD. Irgendwas muss zwar wohl toll daran sein- aber ich kann es nicht entdecken...



Mit "Wish you were here" folgt das exakte Gegenteil.
Das knapp 14-minütige "Shine on you crazy diamond (Parts 1-5)" gehört bis heute zum besten, was man sich anhören kann,
auch das folgende "Welcome to the machine" ist trotz starkem Synthie-Einsatz nie nervig, "Have a cigar" ist der schwächste Song der Scheibe, aber immer noch gut anhörbar.
Der Titelsong "Wish you were here" wirkt fast schon zerbrechlich sanft, geht aber unglaublich ins Ohr-
und das abschließende knapp 13-minütige "Shine on you crazy diamond (Parts 6-9) beendet das Album perfekt, wie schon der Opener perfekt war.



"Animals" kopierte dann das Aufbau-Konzept des Vorgängers, drehte dieses jedoch ins Gegenteil um.
Anfang und Ende bilden hier die sehr ruhigen und kurzen Songs "Pigs on the wing - Part 1 & 2", während der Rest durchgehend stark Gitarrenlastig daherkommt.
Das inhaltliche Konzept wurde von George Orwell's "Animal Farm" stark beeinflusst, so werden hier die Menschen nach ihrem Verhalten in drei verschiedene Tier-Rassen aufgeteilt.
Sowohl "Dogs", als auch "Pigs" sind eingängige, aber inhaltlich eher düstere Rocksongs, das folgende "Sheep" rockt am heftigsten,
hier dürften selbst die Fans von klassischem Hardrock, die mit der Band bisher wenig anfangen konnten, begeistert sein.
Nach "Wish you were here" ein weiteres Meisterwerk. Doch Pink Floyd schaffen es, dieses noch zu überflügeln...:



Zu "The Wall" muss man wohl nicht viel schreiben, nehme ich an...
Der kreative Höhepunkt der Band war hiermit erreicht, und gipfelte sogar in einer sehr gelungenen Verfilmung des Albums.
Das größte Problem welches die Band nun hatte, war nach dieser übermächtigen Veröffentlichung eine zumindest gleichwertige Platte zu produzieren-
was keinesfalls so einfach sein sollte...



Mit "The final cut - A requiem for the post war dream" versuchte man offensichtlich, direkt an "The Wall" anzuschließen.
Die Ähnlichkeiten sind nicht zu überhören, beinahe der komplette Stil und die musikalischen Arrangements sind gleichgeblieben,
auch thematisch bewegt man sich mit dem Thema Krieg am Rande des Vorgängers.
Der große Erfolg wiederholte sich allerdings nicht, trotzdem muss man der Platte zugestehen, dass sie sehr gelungen ist, und als Nachfolger durchaus ihre Berechtigung hat.



"A momentary lapse of reason" ist erstmals eher kommerziell ausgerichtet, was wohl auch am Ausstieg von Roger Waters liegen dürfte, der bisher den Großteil der Floyd-Alben schrieb.
Das muss nicht schlecht sein, und ist es auch nicht- aber das "experimentelle", was die meisten anderen Alben ausmachte, ist hier kaum noch vorhanden.
Trotzdem eine sehr gelungene CD!



"The division bell" war dann lange zeit das letzte Lebenszeichen der Band- und kommt insgesamt deutlich ruhiger daher als die bisherigen Veröffentlichungen.
Langweilig ist die CD trotzdem nicht, zumal mit "High hopes" am Ende der CD noch ein absolutes Song-Highlight auf den Hörer wartet.



Was hier unter dem Titel "The Endless River" als "neue CD" von Pink Floyd verkauft wurde, ist schon ziemlich frech...
Von einem winzigen, natürlich kleingedruckten, Copyright 1987-Vermerk auf der Rückseite abgesehen, deutet nichts auf eine Resteverwertung hin.
1987 wurde das vorletzte Album "A momentary lapse of reason" veröffentlicht (siehe oben).
Im Booklet steht dann allerdings, dass es sich um 1993'er Sessions handelt, was widerum auf das letzte Album "The division bell" hindeutet.
Ja, was denn nun?
Anders gesagt: Hier erhält man wohl die damals nicht verwendeten Reste der Aufnahmesessions zum letzten regulären Album, welches 1994 veröffentlicht wurde.
Die CD enthält lediglich einen Track mit Gesang, nämlich "Louder than words" am Ende der CD.
Ansonsten kann man sich das ganze so vorstellen:
Ein ruhiges, wie von Pink Floyd gewohntes Intro, geht über in ein ruhiges, wie von Pink Floyd gewohntes Intro, welches sich zu einem ruhigen, von Pink Floyd gewohntem Intro entwickelt.
Zwischendurch wird's kurzzeitig auch mal etwas flotter, aber ein roter faden ist irgendwie nicht zu entdecken- im Gegenteil:
Kaum baut sich mal etwas musikalische Spannung auf (Sum), geht das ganze in nervige Geräuschcollagen über (Skins),
und wird belanglos (Unsung) übergeleitet zu langweiligem Gitarren-Pop (Anisina), der problemlos aus einem 80'er Jahre TV-Serien Soundtrack sein könnte.
Das ganze ist irgendwo trotzdem durchaus typisch Pink Floyd, man kann sich auch reinhören, aber insgesamt enttäuscht das Ergebnis.
Einer Musik-Legende wie Pink Floyd ist ein solcher "Abschluss" einfach nicht würdig, zumindest hätte man offensichtlicher darauf hinweisen müssen, was einen erwartet.
Nicht jeder informiert sich erst im Netz, bevor man sich spontan 'ne neue CD kauft...


Zuletzt von Retro am So Okt 15, 2017 11:12 pm bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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Re: Retro's Band-Reviews

Beitrag von Retro am So Jul 30, 2017 11:25 pm

HAUDEGEN & HAGEN STOLL SOLO

Haudegen sind die beiden Berliner Sänger Hagen Stoll und Sven Gillert, welche ihre ersten musikalischen Erfolge mit deutschem Hiphop feierten.
Hagen war bekannt als "Joe Rilla", Sven als "Tyron Berlin", und immerhin muss man sagen, dass die Texte wohl schon damals kritisch angehaucht waren,
und nicht nur primitiven Aggro-Mist enthielten.
Trotzdem natürlich kein Wunder, dass ich die beiden vor der Gründung von Haudegen nicht kannte, ist schließlich absolut nicht meine Richtung...



Der musikalische Wandel der beiden kam 2010  mit der EP HAUDEGEN auf den Markt.
Erstaunlicherweise ist gerade diese Scheibe das härteste, was die Band bisher veröffentlicht hat.
Vier Songs lang härterer deutscher Rock, am ehesten vergleichbar mit den Onkelz, und mit "Großvater sagt" ein sehr gelungenes ruhiges Stück am Ende.
Gute Texte, gute Musik, ein guter Einstieg in eine neue Musikrichtung!



Ein Jahr darauf, 2011, kam dann eine Doppel-CD auf den Markt, mit dem Titel SCHLICHT UND ERGREIFEND.
Thematisch erwartungsgemäß gesplittet in eine "Schlicht", und eine "Ergreifend" betitelte CD.
"Schlicht" enthält flotte Songs mit intelligenten und hintergründigen, aber auch einfach generell positiven Texten wie "Ein Mann ein Wort".
"Ergreifend" enthält eher ruhige Stücke, aber keineswegs nur Liebeslieder. Von kritischem Text in "Weisse Westen" bis zu Trennungsschmerz in "Dein Zimmer" ist alles vorhanden.
Den Wechsel vom eher harten Rock im Jahr zuvor, in eher poppige Rocksongs fällt natürlich auf-
wird aber mit hohem Ohrwurmpotential aufgefangen, und stört, zumindest mich, nicht im geringsten.



Im selben Jahr wurde dann noch eine Live-Aufnahme auf CD mit Bonus-DVD veröffentlicht, LIVE IN DER PASSIONSKIRCHE.
Die CD enthält allerdings nur einzelne Songs, welche jeweils ein, bzw. ausgeblendet werden. Live-Stimmung kommt da natürlich absolut nicht auf.
Generell ist die Aufnahme aber qualitativ gelungen, und die Songs sind in softeren Akustik-Versionen gut Live umgesetzt.
Auch ein wenig seltsam: Die CD enthält 17 Songs, die enthaltene DVD dagegen nur 12...



EN GARDE kam 2012 auf den Markt.
Neben dem Hit "Feuer und Flamme" enthält die CD größtenteils poppig angehauchte Rocksongs im selben Stil,
mit "Zwei für alle" kommt man den Onkelz aber wieder recht nah, und auch bei "Hölle" werden nochmal härtere Gitarren aufgefahren.
Natürlich enthält die CD auch eher ruhige Songs wie das nachdenkliche und textlich sehr starke "Der fehlerlose Mann".



2015 erschien LICHTBLICK, welche den Stil des Vorgängers beibehält, und dementsprechend ebenfalls sehr gelungen ist.

2016 erschien mit HAUDEGEN ROCKEN ALTBERLINER MELODIEN ein Konzeptalbum, welches komplett an meinem Interesse vorbeigeht,
und wohl nur Berliner mit Hang zu alten Schlagern ansprechen dürfte. Vor allem, da hier der Berliner Dialekt beabsichtigt hart durchschlägt...
Die CD steht dementsprechend nicht in meiner Sammlung.



2017 gibt es mit Blut, Schweiß und Tränen gleich 3 CD's, diese sind sowohl einzeln, als auch als Box erhältlich.
Den Titeln nach kann man sich schon denken, wie die Musik hier aufgeteilt wurde:
Auf "Blut" sind einige der bisher härtesten Songs der Band zu hören, hier wird richtig gerockt.
Allerdings nervt es schon bald, dass sich die Jungs hier gleich in mehreren Songs deutlich von ihrer politisch stark "linken" Seite zeigen.
Statements gegen "rechts" sind schön und gut- aber soviel Politik will ich nicht unbedingt in meiner Musik hören...
"Schweiß" dagegen enthält den "typischen" Haudegen-Stil, also die gewohnte Rock-Pop-Mischung.
Und obwohl mir die Musik auf "Blut" besser gefällt, punktet "Schweiß" im Vergleich ganz klar mit den Texten.
Auf "Tränen" wird es dann allerdings wirklich arg schnulzig, mir persönlich schon deutlich ZU schnulzig.
Ich mochte auf den vorherigen CD's durchaus auch die meisten der ruhigen Stücke,
aber die geballte Ladung schmalziger Balladen auf "Tränen" ist leider kaum am Stück zu ertragen.
Schade, dass ich das so schreiben muss- aber die wirklich guten Songs, also Textlich UND Musikalisch gesehen,
konnte ich mir problemlos für's Auto auf EINE CD brennen.





2014 erschien Hagen Stoll's Solo-Album TALISMANN.
Die Veröffentlichung unter eigenem Namen macht durchaus Sinn, denn stilistisch kriegt man hier eine unerwartete Vielfalt zu hören,
die als reguläre Haudegen-Veröffentlichung wohl einiges an Stirnrunzeln erzeugt hätte.
Neben den natürlich vorhandenen Rock-Einflüssen kommen hier auch noch Freunde von Blues, Ska und sogar Polka-Klängen auf ihre kosten.


Zuletzt von Retro am So Sep 17, 2017 1:35 am bearbeitet; insgesamt 2-mal bearbeitet
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Re: Retro's Band-Reviews

Beitrag von Retro am So Jul 30, 2017 11:33 pm

SPIDER - THE COMPLETE ANTHOLOGY



Spider waren in den 80'ern kurzzeitig mit ihren drei Releases "Rock'n'Roll Gypsies", Rough Justice" und "Raise the Banner (for Rock'n'Roll") halbwegs erfolgreich,
haben sich jedoch mit ihrer gespielten Musikrichtung nie so wirklich durchsetzen können.
Der Sound schwankt zwischen Hardrock mit Metal-Einschlag und Boogie-Rock, wie ihn Status Quo schon immer erfolgreich spielen.
Und genau dieser Zielgruppe kann man die Scheiben von Spider nur empfehlen- die Kurzbeschreibung "Status Quo auf Speed" trifft das ganze ziemlich genau.
Die drei schon damals auf Vinyl erhältlichen regulären Veröffentlichungen enthalten jeweils Bonustracks (Single B-Seiten, neue Versionen, Live-aufnahmen),
und ein 20-Seitiges informatives (englisches) Booklet ist auch dabei.
Die nicht auf Vinyl erhältliche "Early Years" CD enthält Demos und alte Versionen von bekannten Stücken, aber auch Live-aufnahmen von nicht regulären Spider-Songs,
wie eine deutlich flottere Version von Steppenwolf's Klassiker "Born to be wild".
Empfehlenswert für Fans- und solche die es werden wollen!
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Re: Retro's Band-Reviews

Beitrag von Retro am So Okt 01, 2017 7:43 pm

IRON MAIDEN

Gleich mal vorneweg: Ich mag Maiden. Schon immer. Auch mit Bayley- und mit Di'Anno.
Mein Geschmack muss sich trotzdem nicht mit der Masse der anderen Fans decken, und tut das wohl auch nicht unbedingt,
was ich mir schon in vielen Musik-Diskussionen anhören durfte. Daher mal ein paar Anhaltspunkte:
Lieblings-Album: Killers
Lieblings-Song Di'Anno: Wrathchild
Lieblings-Song Dickinson: To tame a Land
Lieblings-Song Bayley: Sign of the Cross
Schwächstes Album: Seventh Son of a seventh Son
Wer jetzt schon mit den Augen rollt, sollte vielleicht nicht weiterlesen...

Ich habe im Lauf der Jahre Jahre fast alle Maiden-Scheiben sehr oft angehört, und jetzt während dem schreiben laufen die neueren ein weiteres mal.
Die alten Klassiker kann man ja eh teilweise schon fast auswendig mitsingen, da seit 1981 jede Platte zum Release gekauft wurde.
Damals waren Iron Maiden neben Kiss meine Lieblingsband. Und da gab es nur Schallplatten (und qualitativ meist miese Tapes), aber keine CD's.
Inzwischen stehen aber schon lange Zeit (wieder seit Release) alle Scheiben auf CD in meinem Regal. Auch die (meines Erachtens) schlechteren.
Alle Eindrücke sind also nach mehrmaligem anhören entstanden, und keinesfalls "Ersteindrücke",
welche gerade den späteren Alben teils einfach nicht gerecht werden können. Progressiv angehauchtes geht einem eben manchmal nicht sofort ins Ohr.

Ich schreibe hier im übrigen eher nach dem Motto "Kurz aber knackig", gehe zwar auf die Sängerwechsel ein, aber nicht auf die anderen Musiker.
Für mich steht oder fällt eine jede Platte mit dem Gesang, die Instrumentalisten sind in der Regel, meiner Meinung nach, ziemlich austauschbar.
Auch besitze ich nur die Studio-Scheiben, ich mag Live-Aufnahmen generell nicht besonders.
Und immer dran denken: Das ist hier alles nur MEIN Geschmack, und mal eben zum Spaß geschrieben.
Wer genauere Infos haben will als ich sie hier biete, darf gerne diverse andere Seiten besuchen.



IRON MAIDEN (1980)



Das Debüt. Noch ziemlich roh gespielt, mit Paul Di'Anno am Mikro, welcher die flotten Songs sehr gut meistert,
mich in den ruhigeren Passagen der Platte (besonders bei "Strange World") aber eher nervt, oder gar langweilt.
Musikalisch allerdings schon auf recht hohem Niveau, so dass man sich zumindest den Großteil des Albums gut anhören kann.
Ich muss zugeben dass ich "damals" ziemlich enttäuscht war, da ich das Debüt gekauft hatte,
nachdem "Killers" sich schon wochenlang auf meinem Plattenspieler drehte. Auch heute kann ich mir die Scheibe nicht komplett anhören.
Im Vergleich mit dem Nachfolger kann man aber meines Erachtens auch nur verlieren- für ein Debüt trotzdem beachtlich.

Meine Favoriten: Running free, Phantom of the Opera

6/10

IRON MAIDEN - KILLERS (1981)



Das zweite Album macht seinem Namen alle Ehre: Ein echtes Killer-Album. Kein einziger schwacher Song drauf.
Selbst die Instrumentalen Stücke, welche mich sonst fast immer nerven, sind hier absolut passend. Die komplette Platte wirkt wie aus einem Guss.
"Killers" war damals meine dritte selbst gekaufte Platte (nach "Police - Regatta De Blanc" und "Kiss - Gene Simmons"), und begeistert mich bis heute.
Hier hat die Band wohl erkannt, dass Di'Anno eher für die flotteren Songs geeignet ist, so dass hier größtenteils höheres Tempo geboten wird.
Leider war diese auch gleichzeitig die letzte Platte mit Di'Anno, aufgrund seiner Alkoholprobleme musste er die Band verlassen.
Es würde mich wirklich interessieren, wie die Karriere von Maiden mit ihm am Mikro weiter verlaufen wäre...

Meine Favoriten: Die komplette Platte!

10/10

IRON MAIDEN -THE NUMBER OF THE BEAST (1982)



Erstmal mit Bruce Dickinson. Nicht nur, dass er rein technisch gesehen der "bessere" Sänger ist, auch musikalisch hat man hier ordentlich zugelegt.
Der Einstieg könnte mit dem flotten "Invaders" und dem darauf folgenden ruhigen "Children of the Damned" nicht besser gewählt sein.
Schon die ersten beiden Songs beweisen, dass Dickinson wohl ziemlich alles singen kann, was im "klassischen" Heavy Metal-Bereich gespielt wird.
Ein komplett gutklassiges Album, welches zu recht seinen Klassiker-Status hat.
Was auch auffällt: Mit dem Einstieg von Dickinson finden sich auf einmal Songs zu Filmen (oder den Romanvorlagen) im Programm von Maiden.
Der Song "The Prisoner" basiert auf der bekannten TV-Serie, bei uns als "Nummer 6" bekannt,
"Children of the Damned" erzählt die Geschichte vom Film "Dorf der Verdammten".
Ein wirklich gutes Einstiegsalbum für Dickinson- trotzdem kommt für mich nichts an den rauen, noch etwas ungeschliffenen Sound von "Killers" ran.
Keine Frage: Dickinson kriegt Live auch die alten Songs hin, während Di'Anno an den Songs dieses Albums wohl verzweifelt wäre.
Trotzdem höre ich die Songs von "Killers" doch lieber im Original, eben von Di'Anno.

Meine Favoriten: The Number of the Beast, Run to the Hills, Hallowed be thy Name

10/10

IRON MAIDEN - PIECE OF MIND (1983)



Auf Album Nummer vier hat sich, von vielen eher unbemerkt, mein absoluter Maiden-Lieblingssong am Ende versteckt.
"To tame a Land" handelt vom Wüstenplaneten "Dune", welcher auch zu meinen Lieblingsfilmen gehört,
"Where Eagles dare" basiert ebenfalls auf einem Film, bei uns als "Agenten sterben einsam" bekannt.
Auch "Quest for Fire" hat ein filmisches Vorbild: "Am Anfang war das Feuer".
Generell ist "Piece of Mind" wieder ein gutes Album geworden,
auch wenn ich persönlich zumindest "Revelations", "Die with your Boots on" und "Still life" eher mittelmäßig finde.
Fangen Maiden etwa an zu schwächeln?

Meine Favoriten: Flight of Icarus, The Trooper, To tame a Land

7/10

IRON MAIDEN - POWERSLAVE (1984)



Der Einstieg mit "Aces High" lässt stark hoffen, hier wieder eine durchgängig hervorragende Scheibe auf die Ohren zu kriegen.
Und ja, es geht durchgehend in hohem Tempo weiter, ein Ohrwurm folgt auf den nächsten.
Erstmals haben Iron Maiden hier auch einen Song in Überlänge auf einem Album, "Rime of the ancient Mariner" ist eines der Highlights der Platte.
Auch auf "Powerslave" schlägt wieder die Vorliebe für Filmthemen durch:
"The Duelists" erzählt die Geschichte von Ridley Scott's gleichnamigen Film,
und das instrumental "Losfer Words" wurde wohl stark vom "Time Rider" Soundtrack inspiriert.
"Back in the Village" erzählt, wie schon "The Prisoner" auf "Number of the Beast" wieder von der schon genannten TV-Serie.
"Flash of the Blade" hat Dario Argento übrigens ein Jahr später in seinem Horror-Thriller "Phenomena" für den Soundtrack verwendet.
Das funktioniert also auch andersherum.

Meine Favoriten: Die komplette Platte!

10/10

IRON MAIDEN - SOMEWHERE IN TIME (1986)



Zum ersten mal ließen sich Iron Maiden zwei Jahre Zeit für ihr nächstes Album.
Bereits im Vorfeld der Veröffentlichung wurde bekannt, dass hier erstmals auch Synthesizer verwendet werden-
was allerdings nur selten auffällt, und was ich persönlich nicht störend finde, da eher songdienlich und nicht aufdringlich eingesetzt.
Wer Angst hatte, Maiden könnten zu "poppig" werden konnte aufatmen. Allerdings begann hier langsam der Umbruch zu immer längeren, epischen Songs.
"Caught somewhere in Time" ist von "Blade Runner" und "Flucht ins 23. Jahrhundert" inspiriert- ansonsten finden sich diesmal keine Filmverweise.
Und wieder haben Iron Maiden es geschafft, ein Album voller Ohrwürmer aufzunehmen.
Die Platte hat keine schwachen Songs- ausser man hat eine generelle Synthesizer-Allergie.

Meine Favoriten: Die komplette Platte!

10/10

IRON MAIDEN - SEVENTH SON OF A SEVENTH SON (1988)



Wieder dauerte es zwei Jahre bis zur nächsten Platte... und diesmal waren die Veränderungen im Sound deutlich gravierender.
Erstmals bei Maiden handelt es sich hier um ein Konzeptalbum, und die Synthesizer sind nicht mehr zu überhören.
Wenn man es freundlich sagen will, könnte man die Platte "experimentell" nennen- oder auch den Versuch, eine Progressive-Metal Scheibe aufzunehmen.
Auch Seventh Son of a seventh Son" enthält ein paar gute Songs,
aber insgesamt gesehen war (und bin) ich hier zum ersten mal bei einer Platte mit Dickinson am Mikro eher enttäuscht worden.
Beachtlich ist lediglich einmal mehr die extreme Gesangsleistung von Dickinson, welcher jedes Tempo und jede Tonlage perfekt meistert.
Genau genommen ist eines der beiden Highlights des Albums, "Can i play with Madness", aber fast schon kein Metal mehr,
oder zumindest stark kommerziell ausgerichtet und Radiotauglich, was auch die knackige Laufzeit von 3:30 Minuten beweist.
Metal mit (zu) viel Keyboards und angezogener Handbremse sozusagen.
Die Scheibe war kommerziell sehr erfolgreich, sorgte aber dafür dass zumindest ich die nächste Maiden-Platte erstmals nicht "blind" kaufte,
sondern wartete bis man reinhören konnte.

Meine Favoriten: Moonchild, Can i play with Madness

4/10

IRON MAIDEN - NO PRAYER FOR THE DYING (1990)



Weitere zwei Jahre später: Vorab-Kritiken lassen bereits schlimmes erahnen,
aber scheinbar sind die negativen Kritiken jetzt da, weil man einen direkten Nachfolger von "Seventh Son" erwartet hatte.
Die Scheibe startet mit "Tailgunner" flott und recht hart, Dickinson singt aggressiv wie nie zuvor,
und auch der zweite Song, "Holy Smoke", klingt eher, wie man es früher von Maiden gewohnt war.
Back to the Roots ist offensichtlich angesagt, die Platte ist gekauft.
Generell besteht "No Prayer..." aus überwiegend kürzeren Songs, und Keyboard-Sounds halten sich wieder im Hintergrund.
Auch hat sich hier wieder ein Film-inspirierter Song eingeschlichen, "Run silent, run deep" basiert auf dem Film "U 23 - Tödliche Tiefen".
Und ebenfalls schon wieder hat sich ein Filmsoundtrack bei Iron Maiden bedient- "Bring your Daughter..." wurde in "Nightmare 5" verwendet.
Insgesamt ein durchaus gutes Album, auch wenn man die Klasse von früheren Werken nicht mehr ganz erreicht.
Die vielen schlechten Kritiken, welche die Scheibe bis heute kriegt, sind mir ein Rätsel...

Meine Favoriten: Tailgunner, The Assassin, Bring your daughter... to the Slaughter, Mother Russia

8/10

IRON MAIDEN - FEAR OF THE DARK (1992)



Mittlerweile ist man den Zwei-Jahres-Abstand schon gewohnt, also mal sehen, was Maiden uns diesmal vorsetzen.
Wenn ich mich recht erinnere, war "Fear of the dark" wieder ein "Blindkauf" von mir,
das neue Cover ist der Hammer, die letzte Scheibe war zumindest gut- was soll also schief gehen? Kurz gesagt: Nicht viel.
Der Opener "Be quick or be dead" fetzt wie man es erwartet, und auch die weiteren Songs halten größtenteils das Niveau.
Lediglich der Mittelteil von "Fear is the Key" nervt mich bis heute, dafür entschädigt aber "Wasting Love", eine der besten Balladen, die ich kenne.
Auch ist mit "The Fugitive" wieder ein Song zu einer TV-Serie (Bei uns: "Auf der Flucht") dabei.
Der Titelsong am Ende ist über jeden Zweifel erhaben, und dürfte wohl Pflichtprogramm bei jedem Metal-Fan sein.
Dummerweise sollte "Fear of the dark" das (vorerst) letzte Album mit Bruce Dickinson werden,
auf der dem Album folgenden Tour erklärte er seinen Ausstieg nach Beendigung des letzten Konzerts.

Meine Favoriten: Be quick or be Dead, Afraid to shoot Strangers, Wasting Love, The Fugitive, Fear of the Dark

9/10

IRON MAIDEN - THE X FACTOR (1995)



Offensichtlich war es nicht ganz einfach, einen Nachfolger für Bruce Dickinson zu finden,
so dass man diesmal ganze drei Jahre auf die nächste Platte warten musste.
Maiden rekrutierten ihren neuen Sänger Blaze Bayley von der Band "Wolfsbane", welche mit ihnen als Vorgruppe schon einmal auf Tour war.
Eine zwiespältige Wahl, da Bayley zwar kein schlechter Sänger ist, aber mit seiner Stimme niemals in die Bereiche kommen konnte wie Dickinson.
Die neuen Songs sind durchaus auf seine tiefe Stimme zugeschnitten, kommen daher auch etwas düsterer daher, was nicht unbedingt schlecht ist.
Musikalisch kann man zwar trotz meist gebremsten Tempo immer noch die "alten" Maiden heraushören, aber gesanglich ist Bayley ein völlig anderer Typ.
Vor allem bei Live-Konzerten hatte er erwartungsgemäß große Probleme die Songs von Dickinson akzeptabel rüberzubringen,
was ich ihm nicht vorwerfen will- selbst mit einer weniger dunklen Stimme kommen wohl nur wenige Sänger an die Leistung von Dickinson heran.
Wenn man mit größtenteils ruhigeren und düsteren Songs leben kann, wird man durchaus ein paar Highlights auf "X Factor" finden.
Auch Film, bzw Buchfreunde werden wieder großzügig bedient: "Lord of the Flies" thematisiert natürlich den "Herr der Fliegen",
"Man on the Edge" wurde von "Falling down" inspiriert, und "Edge of Darkness" bedient sich bei "Apocalypse now".

Meine Favoriten: Sign of the Cross, Man on the Edge, Look for the truth

7/10

IRON MAIDEN - VIRTUAL XI (1998)



Weitere drei Jahre, und eine wenig erfolgreiche Welttour später kam das zweite Album mit Blaze Bayley auf den Markt.
Dass er sich bemühte an seiner Stimme zu arbeiten ist nicht zu überhören, leider mangelte es diesmal eher an guten Songs-
einige plätschern nur so dahin und reissen einen nicht mit.
"The Clansman" basiert auf "Braveheart", "When two Worlds collide" auf "Der jüngste Tag" (OT: When Worlds collide)
Bei der Tour zum Album bekam er erhebliche Problem beim Gesang-so dass man die Tour abbrach, und sich einvernehmlich trennte.
Schon kurz nach der Trennung wurde die Rückkehr von Bruce Dickinson für das nächste Album bekanntgegeben.

Meine Favoriten: Futureal, The Clansman, Educated Fool

6/10

IRON MAIDEN - BRAVE NEW WORLD (2000)



Die Rückkehr von Bruce Dickinson bringt uns nach zwei Jahren wieder eine wieder etwas progressiv angehauchten Platte mit einigen langen Songs.
Abwechslung wird hier großgeschrieben, Melodie und Härte finden perfekt zusammen- und Dickinson's Stimme ist wie üblich über jeden Zweifel erhaben.
Insgesamt gesehen könnte "Brave New World" musikalisch als der direkte Nachfolger von "Somewhere in Time" durchgehen.
Auch hier gibt es wieder Keyboards, aber niemals aufdringlich, sondern wohlüberlegt eingesetzt.
Gleich als Opener wird mit "The Wicker Man" wieder eine Filmvorlage vertont, "Out of the Silent Planet" basiert auf "Forbidden Planet" (Alarm im Weltall).
"The Mercenary" wurde wohl von "Predator" inspiriert.

Meine Favoriten: Die komplette Platte!

10/10

IRON MAIDEN - DANCE OF THE DEATH (2003)



Zum ersten Mal in der Maiden-Historie schaue ich mir das Cover an- und denke mir: Vielleicht sollte ich die Scheibe mal auslassen...
Hören wir mal rein. Der Opener "Wildest Dreams" kommt kurz und knackig daher, das folgende "Rainmaker" hat einen fiesen Ohrwurm-Refrain.
Überhaupt ist "Dance of Death" wieder ein größtenteils hochklassiges Album geworden- die progressive Ausrichtung ist auch hier vorhanden.
Man darf sich nur vom Cover nicht abschrecken lassen (und schaltet am besten vor dem letzten Song den CD Player aus).
Diesmal hat sich übrigens kein einziger Film-Track eingeschlichen, dafür gehen die Texte stärker in Richtung Kriegsgeschichte.
Die Höchstwertung vergeigt lediglich "Journeyman", ein unglaublich öder Akustik-Song am Ende.

Meine Favoriten: Rainmaker, No more Lies, Dance of Death, Paschendale

9/10

IRON MAIDEN - A MATTER OF LIFE AND DEATH (2006)



Das Cover zeigt schon, wohin die Reise textlich gesehen geht. Kriegsthemen prägen "A matter of Life and Death" wie kein Album zuvor.
Die Platte startet mit einem klassischen Maiden-Uptempo Song, "DIfferent World", dessen Refrain mich allerdings schon seit dem ersten hören nervt.
Musikalisch gibt es danach kaum Überraschungen-
die zuletzt eingeschlagene Prog-Metal Richtung mit meist überlangen Songs und Keyboards wird erwartungsgemäß weiterhin gespielt und noch verfeinert.
Mir persönlich wird es teilweise schon zu progressiv, was manche Titel wie "Brighter than a thousand Suns" für meine Ohren eher anstrengend macht.
Dass "The longest Day" nebenbei auch ein Filmtitel ist, darf als Zufall bezeichnet werden- in Lied wie Film geht es um die Landung der Alliierten
am 6.6.1944 in der Normandie, welcher von Generalfeldmarschall Rommel damals als "längster Tag" im Krieg bezeichnet wurde.

Meine Favoriten: These Colours don't run, Out of the Shadows, The Reincarnation of Benjamin Breeg, The Legacy

7/10

IRON MAIDEN - THE FINAL FRONTIER (2010)



"The Final Frontier" nenne ich immer meine "Überraschungs-CD". Gekauft, in den Player geschmissen- und eigentlich schon gedacht das war's mit Maiden...
Der Opener ist, wie sein Titel, zweigeteilt: "Satellite 15... The Final Frontier". Laufzeit: Fast 9 Minuten.
Die erste Hälfte dachte ich, da ist 'ne falsche CD drin. Kodo auf Drogen oder so. Fürchterlich.
Nach ziemlich genau der Hälfte folgt ein Break- und aus dem Nerv-Sound wird ein klassischer Maiden-Song, wenn auch eher ein recht beliebiger.
Ehrlich: Das war der schlechteste Opener, den man sich vorstellen kann. Erst recht für eine Band wie Iron Maiden. Warum???
Mit Song Nummer 2 ändert sich dann meine Meinung- "El Dorado" gehört seit dem ersten hören zu meinen absoluten Maiden-Favoriten.
Wie übrigens auch der mit 11 Minuten recht lange Rausschmeisser "When the wild Wind blows". Diese beiden Songs alleine sind schon den kauf wert!
Insgesamt gesehen würde ich sagen, die Scheibe ist in etwa seinem Vorgänger ebenbürtig.
Nicht alles entspricht meinem Geschmack, aber ein paar richtig gute Songs sind durchaus auch vertreten. Auch zwei meiner Favoriten im Gesamtwerk.
Auffällig ist vor allem, dass inzwischen beinahe jeder Song Überlänge hat, Kurz & Knackig gibt es hier nicht mehr.
Thematisch gibt es hier, passend zum Cover, hauptsächlich Fantasy und Science Fiction-Themen auf die Ohren.

Meine Favoriten: El Dorado, Mother of mercy, The Alchemist, The Talisman, When the wild Wind blows

7/10

IRON MAIDEN - THE BOOK OF SOULS (2015)



Der Begriff "Überlänge" kriegt hier eine neue Dimension: 11 Songs mit insgesamt 92 Minuten auf 2 CD's.
Alleine der letzte Song der Platte "Empire of the Clouds" kommt mit 18 Minuten daher...
Aber: Maiden können es noch! Oder wieder. Trotz inzwischen stark Prog-lastiger Ausrichtung sind auch genügend härtere und flotte Parts vertreten.
Hier stimmt die Mischung erstmals wieder durchgehend, auch wenn man wohl wirklich ein paar durchläufe braucht, bis das Gesamtwerk bei einem ankommt.
Beim ersten hören tut man sich etwas schwer die Highlights rauszuhören- man findet aber auch keine Lückenfüller. Ging zumindest mir so.
Inzwischen ist "The Book of Souls" in meiner Hitliste ziemlich weit oben!
Bemerkenswert ist auch das Cover: Beinahe schon schlicht kommt es daher- und nach vielen Jahren mal wieder mit dem alten, originalen Bandlogo.
Schon lange nichts mehr Filmlastiges gehört? Stimmt. Auch hier nicht.
Aber immerhin ist "Tears of a Clown" eine Hommage an den 2014 verstorbenen Schauspieler Robin Williams.
Die erstmals deutlich längere Wartezeit auf neues Futter von Iron Maiden hat sich definitiv gelohnt!

Meine Favoriten: Die komplette Platte!

Iron Maiden haben es am Ende doch noch geschafft, von einer, wenn nicht sogar DER "klassischen" Heavy Metal-Band,
zum überzeugenden Progressive Metal zu wechseln.
Wenn auch der erste Versuch in dieser Richtung meiner Meinung nach schon fast eine Katastrophe war...
1988 war dafür der Schritt vom Vorgänger weg zu massiv- oder die Songs zu sehr mit zu auffälligen Keyboards zugekleistert. Eigentlich beides.
Egal. Das Fazit bleibt: Up the Irons!
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